Che

Alberto Iglesias

Varèse VSD6929

58:19 Min. / 21 Tracks

Ein interessantes und für den Regisseur eher ungewöhnliches Thema, dass sich Steven Soderbergh da ausgesucht hat. Im Original heisst Cheübrigens Che: Part Two. Der drüben scheinbar bereits gelaufene „Nachfolger“ heisst folgerichtig (?) Che: Part One, wie ein kurzer Blick auf imdb.com zeigt.

Alberto Iglsesias scheint sich fast ein wenig auf schwierige Themen spezialisiert zu haben. Letztes Jahr war The Kite Runner ein von manchen Filmmusikhörern geschätzter Score, zuvor machte er es uns zum Beispiel mit The Constant Gardener schon schwerer. Und mit Che liefert er eine weitere nicht leicht zugängliche Komposition, die nicht das spanisch/südamerikanische Idiom fast gänzlich umgeht und allerhöchstens fein gepinselt mit hispanischen Klecksen auskommt. Manchmal wähnt man sich in der ganz, ganz finsteren Ecke von Under Fire (ein böse hinkender Vergleich, der weder auf der musikalisch konzipierten und schon gar nicht auf der thematisch ausgeführten Weise funktioniert). In der Orchestration nicht schwülstig gehalten aber mit erdrückend schwermütiger Atmosphäre und dann plötzlich aus sich herausbrechend – den Zugang zum Kern von Iglesias‘ Che zu finden, fordert etwas Hörgeduld. Die Länge der CD macht das Ganze nicht einfacher. Und die Vielzahl an Passagen mit surrealistischen Klangfärbungen und Stimmungen, gerade da wo man sie nicht erwartet, etwa in „Ambush“, müssen auch verarbeitet werden.

Man spürt in Iglesias Musik das Stapfen durch dichtbewaldeten Dschungel, die Eintönigkeit eines Marsches und Gefahr, die irgendwo immer lauern könnte – aber eben auf eine andere als die gewohnte Art. Und manchmal bricht die Musik durch und beherrscht für einen kurzen Moment die Szenerie. Iglesias führt uns oft in surreale Klangwelten oder wirft uns in Stücken wie „Sierra Maestre“ vom spürbar musikalischen Aufbau auch gleich wieder zurück in experimentellere Klanggebilde. Erinnert durchaus mal an meditative Formen eines Mychael Danna, The Ice Storm kommt mir da in den Sinn. Stücke wie „Landscape“ oder „I Want to Take the Revolution“ greift er nur mit den Fingerspitzen und mit aller Bedachtheit, lässt sie an uns vorüberstreifen.

Eines der wenigen Stücke wo Igesias die Musik in ihrer stets spürbaren Bedrücktheit ein wenig, aber kontrolliert, aus sich herausgehen lässt, ist „March“, in dem Drang, Willen und Entschlossenheit herrschen. Auch in „Military Skills“ reicht der Volumenpegel durch perkussive Einschläge für einmal über die sonst zu vernehmende, ungemütliche Ruhe. In „Camino a la Habana“ ist ein gedämpfter Optimismus zu vernehmen, der sogleich in „Nancahuazu Canyon, March 23, 1967“ mit einem gedrungen schwebenden Donnern und einem verhaltenen, lang aufbauenden crescendo verflogen ist. Zum ersten Mal in Stück 16, „Doctor Guevera“ hören wir so was wie einen Glücksmoment für Che, wenn (s)ein Thema von den Gitarren gespielt erklingt. Wohin uns die musikalische Reise schlussendlich führt ist klar: „La Higuera, October 9, 1967“, who Che zu Tode kam. Hier endet der Score und resümiert das Vorangegangene.

Fasst man all die verschiedenen Teile zusammen, die es dem Hörer nicht so leicht, ich wiederhole mich, gemacht haben, der CD aufmerksam zu lauschen und findet einen ganz, ganz hellroten Faden an dem man sich durch den durchaus fein gesponnen Score angelt, dann eröffnet sich einem eine komplexe, ja vielschichtige Musik, die sicher mehr verbirgt als sie bei einem einmaligen Anhören Preis gibt. Für mich ist Che einer der besseren Filmmusiken 2008.

Ich bin nicht sicher ob die vorliegende CD beide Teile des Films zusammenfasst. Alleine von den Tracktiteln her ist das kaum mit Sicherheit zu bestimmen. Nach dem letzten Track des Scores (19) folgen übrigens zwei Stücke von Mercedes Sosa und Silvio Rodriguez.

Phil, 11.2.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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