Carol

Carter Burwell

Varèse Sarabande

52:27 Min. / 25 Tracks

Mit Carol (2015) schuf Regisseur Todd Haynes ein ruhiges Drama über eine Liebesbeziehung zwischen Carol Aird (Cate Blanchett) und Therese Belivet (Rooney Mara), das mit sehr gemächlichem Erzähltempo, erdiger Farbgebung und geduldigen Nahaufnahmen eine Hommage an die Fotokunst und das Kino der 1950er Jahre geworden ist. Die Musik hierzu komponierte Carter Burwell. Passend zu Story und Bildsprache fällt auch seine Musik für kleine Besetzung (Streicher, Klavier, Holzbläser und Harfe) zurückhaltend und samtig, pastellig im Klang aus, wobei ihre Gemächlichkeit zeitweise Lounge-Feeling verbreitet. Dabei erinnert die Orchestration und der stellenweise hypnotische Effekt, erzielt mit repetitiven Figuren, nicht selten an die Arbeiten von Philip Glass, insbesondere an dessen sehr gelungene Musik zu Notes on a Scandal (2006).

Die Musik zu Carol baut auf drei Themen. Das erste Thema wird sogleich im Eröffnungsstück Opening präsentiert und fungiert im Verlauf des Albums als eigentliches, sehr melancholisches, fragiles Liebesthema für Carol und Therese. Es erhält in den Stücken Christmas Trees, Drive Into Night, Lovers und Crossingweitere, wunderschöne Darbietungen. Im zweiten Stück, Taxi, klingt das zweite Thema an. Dieses reflektiert gemäss Aussagen von Burwell in Interviews den Verlust und die Einsamkeit. Es ist ein sehr unauffälliges Thema, welches in der bittersüssen Grundstimmung gut harmoniert, jedoch wohl schwer zu „erspähen“ ist. Die auffälligste Darbietung erhält dieses Thema im Stück Letter. Das dritte Thema fügt sich ab dem dritten Stück, To Carol’s, in die Komposition ein und reflektiert Thereses Hingezogenheit zu Carol. Dieser Komposition haftet etwas „ausserirdisches“, himmlisches an und sie baut auf eine Klaviermelodie, die mit Echo- und Mattierungseffekten traumähnlich, „distanziert“ erscheint. Dieses Thema ist weiter in den Stücken Packing, Waterloo, Visitation und Reflections zu hören.

Die Tatsache, dass diese drei Themen, die sich in feinen Nuancen voneinander unterscheiden, alle unmittelbar hintereinander vorgestellt werden, macht es schwierig, diese sogleich als solche zu erkennen und zu differenzieren, weshalb mehrmaliges Hören des Albums äusserst lohnend ist.

Fazit: Carter Burwells Musik für Carol ist ein traumhaftes Highlight des Jahres 2015 geworden und zählt zu den schönsten und stimmigsten Arbeiten dieses Komponisten. Die Glass-ähnlichen Texturen und das romantische, dramatische Feingefühl à la Georges Delerue resultieren in einer berührenden Filmmusik, deren Stärke in eindringlichen Klangfarben und einer schönen Narratologie liegen. Es ist zu wünschen, dass Burwell für diese Arbeit auch im Oscar-Rennen mitmachen darf!

Der Score wird von fünf zeitgenössischen Songs aus den 1950er Jahren durchbrochen (Kiss of Fire von Georgia Gibbs ist einfach toll und cheeky!). Diese sind ebenfalls sehr schön anzuhören, doch brechen sie den ruhigen Fluss von Burwells Arbeit leider sehr empfindlich, weshalb man die Songs besser gebündelt zu Beginn oder am Ende des Albums platziert hätte.

Basil, 9.12.2015

 

 

 

 

 

 

 

 

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