Cape Fear (1991)

Elmer Bernstein

MCA 00881-10463-23

43:00 Min. / 15 Tracks

Hintergrund-Info zum Soundtrack für Martin Scorseses 1991er CAPE FEAR-Version bietet der CD-Booklet-Text: Bernard Herrmann (1911 – 1975) composed the score of the original version of Cape Fear in 1962. His score has been reorchestrated, rearranged and conducted by Elmer Bernstein for the new version of the film.

Frisch aus dem Gefängnis entlassen rächt sich Max Cady (fürchterlich gewieft: Robert De Niro) an seinem Ex-Anwalt Sam Bowden (biederer Familyman: Nick Nolte). Bowden hatte den Fall längst abgehakt – auch seine ambivalente Mitschuld an Cadys aufgestockter Haftstrafe (sie kam durch Bowdens Abscheu wegen Cadys Tat vor Gericht zum Wirken). So etwas rächt sich – bei Scorsese allemal. Max Cady überall: Bei Bowdens Kinobesuch wird der Saal vom Krawall-Lacher per Monster-Zigarre voll gequalmt.

Sams Frau Leigh (scheinbar kontrolliert, betrogen, zynisch, panisch: Jessica Lange) ist Grafikerin, die noch am Zeichentisch entwirft. Es knistert beim Ehepaar Bowden – schichtweise herauf beschworen: Nicht nur Sams Seitensprung von einst, auch des Familienvaters aktuelles Tete-a-Tete mit einer jungen Frau aus dem Büro, Lori (Illeana Douglas), birgt Gefahr (Cady nutzt das aus).

Die minderjährige Tochter des Hauses Bowden, Danielle (Juliette Lewis), ist anfangs „nur“ emotional völlig umher gerissen. Als Cady (der vorgibt, Danielles neuer Schauspiellehrer zu sein) sich dem pubertierenden Mädchen körperlich nähert – heftiger, stiller, heimtückischer geht es nicht.

Track 1, „Max“: Zusammenzucken – wie ein Schlag, die Eröffnung vom ganzen Schlamassel. Title-Design: Der schillernde Fluss, der greifende Adler, der Fremde, ein Tropfen Blut. (Im Film wird Track 1 kurz vom Juliette-Lewis-Monolog unterbrochen, auf CD landet man sofort in Max Cadys Zelle.) Cady ist gar nicht simpel tot zu kriegen – gestählt durch Knast, Krafttraining und unbändige Rachegelüste. Heute ist der letzte Tag in seiner Zelle. Freigelassen (wegen guter Führung) nach 14 Jahren. Ohne Umweg folgt Cady dem Ziel – zuvor „rammt“ er die komplette Leinwand.

Track 2, „Sam’s Story“: Antik-quäkend, herrlich nervend. Die Rechnung ist bezahlt. Vom Fremden. Argwöhnische Blicke. Adieu, Sam Bowdens simple life – Cady nahm Witterung auf.

Track 12, „Houseboat“: Kein Happy-Family-Trip, nur noch Flucht, niemals mehr unbeschwerte Hollydays auf Bowdens Hausboot.

Racket Tennis oder Racquetball, wie man es nennen mag – Sam und Lori powern sich heimlich in der Mittagspause aus, rasant inszeniert. Auch zischt die Kamera wild umher, wenn Bürotalk abgehalten wird – Klasse (DoP: Freddie Francis). Scorsese rüttelt stets am Auge: Da wird im Blute vom Beschützer ausgerutscht. Der Liebesakt der Bowdens (kredenzt im „Negativ-Look“) – man kann da Versöhnung / Misstrauen hinein interpretieren: Undurchsichtig, visuell interessant gemacht. Danielle agiert wie ein trauriger Puffer zwischen ihren Eltern. Verletzlichkeit, Lolita-Vorstadium, Augenverdrehen, Teeniefrust und ganz schnelles Erwachsenwerden – Lewis liefert ab. Granit-Haudegen Robert Mitchum und Gregory Peck (im 1962er CAPE FEAR-Original spielten sie die Parts von De Niro und Nolte) sind hier wieder mit an Bord – in schönsten Alters-Rollen. Ein Thriller-Monument.

Elmer Bernsteins (1922 – 2004) Soundtrack-Adaption ist klar, düster, fein und schlimm fürs’ Ohr – natürlich mit Hitchcock / Herrmann-Touch (z.B. Track 6, „Frightened Sam“ und Track 9, „Drive“). Extra-Klasse, wie dramatische Szenen musikalisch noch gesteigert werden. Und als der Fremde nachts auf Bowdens Gartenmauer weilt, am Himmel das Feuerwerk, ertönen nicht nur pfeifende Raketen (Track 3, „Love?“). Für’s einschlafen auch kaum geeignet: Track 10, „Teddy Bear Wired“…

Manfred Schreiber, 12.03.2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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