Brotherhood of the Bell

THE BROTHERHOOD OF THE BELL/
A STEP OUT OF LINE

Jerry Goldsmith

Intrada Special Collection Volume 145

60:40 Min. / 34 Tracks

Limitiert auf 2500 Stk.

TV-Filme waren anfangs der 70er, als eine Welle von Kinofilmen einsetzte, deren Tonspur mit mehr Songs und temporären Klängen als traditionellem Score ausgestattet war, eine gute Alternative nicht nur für Jerry Goldsmith. Damals boomte das movie of the week in den USA fast so wie heute von den Privaten und leider auch den Öffentlich-Rechtlichen zumeist biedere und belanglose Fernsehfilme auf den Markt geschmissen werden. Das soll aber nicht heissen, dass die US-TV-Filme stets von grösserem Gehalt waren. Immerhin aber boten sie dem Zuschauer wie im Falle von Brotherhood of the Bell Schauspieler à la Glenn Ford und unter Umständen andere Grössen, die im Kino nicht mehr so gefragt waren in aktuellen Produktionen zu sehen. Goldsmith seinerseits nützte TV-Produktionen gerne als Tummelfeld für seine Originalität und Experimentierlust (nicht bei den Waltons freilich).

Beide hier vorgestellte Musiken zu TV-Filmen waren mir bisher nicht bekannt. Die Filme habe ich nie gesehen und von den Scores von Goldsmith gab es bisher nichts zu hören.

Die CD beginnt mit der Musik zu A Step Out of Line, der Peter Falk und Vic Morrow in desillusionierten Rollen vereint, die mit zwei anderen Kumpels keine andere Möglichkeit mehr sehen, als sich per Bankraub das benötigte Flüssige zu beschaffen.

Goldsmiths komponierte eine jazzig-angehauchte, manchmal funkige Musik, die mit verstörenden Klängen beginnt ehe sie in das wunderbar von der Trompete vorgetragene Hauptthema mündet um dann von den Streichern in typischer Goldsmith-Manier übernommen zu werden. Noch ein bisschen Funk hinten raus und fertig ist der Main Title. Das Hauptthema, dessen 5 erste Noten mich an Papillon erinnern, ist desöfteren im 32 Minuten langen Score zu hören, mal von einer plunkigen Gitarre, von einer Orgel, einem Klavier (A Step Out of Line), einem Cello (Not to Worry) oder einem Saxofon intoniert (We’ll Talk/Harry’s Diatribe).

Mehr Jazz hat A Chance to Travel/The Blueprint und Set Wires inne während andere Tracks eine Melange mit Jazzanleihen, Drums (Besen) und Bass und sinfonischen Mitteln sind. Ins Experimentelle mit schrillen Klängen, col legno Effekten, Perkussion, nur auf Mundstücken der Blechbläser (oder auch ohne) gespielt, geht Goldsmith in Tracks wie Break In, Suspensemusik auf eine andere Art und Weise.

4 Stücke, die hier zu hören sind, wurden in A Step Out of Line nicht verwendet – ja, sowas gab es damals auch schon im Fernsehen.

The Brotherhood of the Bell handelt von einer College-Bruderschaft und ihren dunklen Machenschaften, in die Glenn Ford als einstiges Mitglied und nun erfolgreicher Professor hineingezogen wird.

Dramatischer und durchaus noch einen Packen experimenteller geht es in diesem Score zu. Hier verbindet Goldsmith Jazz (abermals) mit Barock, setzt interessante Klangvariationen ein und greift gar auf die Teufelsgeige zurück (um den Ursprung der Brotherhood anzuspielen, was im Film aber nie ganz aufgelöst wird, wie Jon Burlingame in den Liner Notes schreibt). The Doctor’s Demise beginnt mit einem dissonanten Cluster ehe das im Anfangsstück zu hörende Hauptthema aufspielt. Dissonante Passagen, hohe Triller und Tremoli sind markant eingesetzt und sie vermitteln ein konfuses Bild, das im harten Gegensatz zum Barockstil steht und die Goldsmith gerne mal gegeneinander wirft: Tennis Anyone? Und so wie Goldsmith mit New Hope den Score abschliesst, bleibt wohl mehr Fragezeichen dahinter als Hoffnung…?

Von der Atmosphäre her und auch durch den Einsatz von akustischem Bass und Solo-Cello hat mich Brotherhood hie und da an ähnlich gelagerte Musiken von Philippe Sarde aber auch an die Kälte von Jerry Fieldings Straw Dogs erinnert.

Brotherhood ist das Zugpferd der CD, vielleicht ist auch deshalb dieser Titel auf dem Cover anstatt Step – allerdings kann man das Cover, wenn man denn will, wenden. Brotherhood jedenfalls würde Lust darauf machen den Film doch mal zu sehen, mit dieser Musik dürfte das doch einen gewissen Eindruck hinterlassen. Gruselspannung à la A Late Visit oder das famose Zusammenspiel von akustischem Bass und Perkussionsspielereien auf Bowls & Co., Goldsmith zu Beginn der 70er eben.

Phil, 8.10.2010

Step:

 

Brotherhood:

 

 

 

 

 

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