Bring Me the Head of Alfredo Garcia (Quartet)

Jerry Fielding

Quartet Records QRSCE038

66:29 Min. / 26 Tracks

Limitiert auf 1000 Stk.

Im Verlauf der letzten zehn Jahre mauserte sich Jerry Fielding vom Geheimtipp zum angesehenen Filmkomponisten, dessen Veröffentlichungen ‒ vor allem jene aus dem Hause Intrada ‒ zu begehrten Sammlerstücken wurden und, wohl auch dank freundlicher Unterstützung der Spekulanten, mehr oder weniger zügig vergriffen waren. Wen wundert’s also, dass diese gesuchten Titel nun bereits in eine zweite Veröffentlichungsrunde gehen; nachdem La La-Land The Mechanic wieder zugänglich gemacht hat, folgt Quartet Records mit einer Neuauflage von Bring Me The Head Of Alfredo Garcia.

Dieser kontroverse Film markiert die zweitletzte Zusammenarbeit von Jerry Fielding und Sam Peckinpah und handelt von der Hatz auf Alfredo Garcia, der die Tochter eines vermögenden mexikanischen Farmers gewaltsam geschwängert und sich dann aus dem Staub gemacht hat. Hoffnung aufs vom Jefe ausgesetzte Kopfgeld macht sich auch der heruntergekommene Barpianist Bennie (Warren Oates), der, da seine Freundin einst mit dem Gejagten liiert war, einen Informationsvorsprung auf seine Konkurrenten hat; ein temporärer Vorteil, der sich für ihn letzten Endes jedoch mit tragischen Konsequenzen als kontraproduktiv erweist.

Fünf Jahre nach The Wild Bunch kehren Regisseur und Komponist nach Mexiko zurück, aber diesmal muss Fielding völlig andere Akzente setzen, steht vor der Herausforderung, Sprachrohr zu sein für den wortkargen und in sich gekehrten Bennie. So versteht sich der Score in erster Linie als Porträt dieses vielschichtigen Charakters, der im Verlaufe seiner Mission auf Widerstände aller Art stösst und unmenschliche psychische Belastungen erdulden muss. In der Musik schlägt sich dies nieder in unheilschwangerem Blech, emotional ambivalenten Streichern und verstörenden, alptraumhaften Holzbläsern.

Auf der folkloristischen Ebene geht Fielding ‒ obwohl er diese auch einfliessen lässt ‒ weit über die traditionelle Mariachi-Musik hinaus, bindet landestypische Klänge ins dramatische Geschehen mit ein und beweist ausgesprochen viel Feingefühl beim ebenso zärtlichen wie melancholischen Liebesthema, dessen Zerbrechlichkeit sich im behutsamen Spiel der Gitarre zu erkennen gibt.

Die widersprüchliche Persönlichkeit eines Aussenseiters, dem nichts in den Schoss fällt und der sich allen Widerständen zum Trotz seinen Platz im Leben erkämpft und sich dann doch fatalistisch seinem Schicksal ergibt, die Liebe zu Mexiko ‒ Bennie trägt viele autobiografische Züge Peckinpahs, und Fielding, der dies wohl erkannt hat, schuf mit Bring Me The Head Of Alfredo Garcia eine Filmmusik, die man auch als persönliche Widmung an seinen Freund und Weggefährten verstehen kann, und daher gehört dieser Score zu seinen inspiriertesten und wichtigsten überhaupt.

Inhaltlich deckt sich das Hauptprogramm mit der Intrada-Scheibe, aber wo diese mit The Killer Elite einen weiteren Peckinpah/Fielding enthält, gibt’s bei Quartet eine Bonus-Sektion, die mit Erstveröffentlichungen aufwartet. Nebst ein paar Alternates handelt es sich dabei um Source-Musik, die Fielding vorgängig in Mexiko aufgenommen hatte, darunter eine über zwölfminütige Suite mit von ihm arrangierter Mariachi-Musik, die jedoch nur zum Teil für den Film verwendet wurde. Ganz am Schluss findet sich dann mit Jerry and Camille eine Liebeserklärung Fieldings an seine Frau; dieses Stück für Sologitarre ist somit ein sehr persönliches Andenken an den Komponisten.

Während sich die Intrada und die Quartet klanglich nicht gross unterscheiden dürften und bei beiden Nick Redman für die Liner-Notes verantwortlich ist, kommt die Quartet für mich im cooleren Gewand daher. Und für die ergebensten Fieldingisten unter uns sind wohl allein schon die Bonus-Tracks Grund genug, nochmals die Kreditkarte zu zücken. Aber dies am besten so rasch wie möglich, denn erneut zeichnet sich ein flotter Ausverkauf ab.

Andi, 20.4.2012

 

 

 

 

 

 

 

 

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