Betrayal

Howard Shore

Howe Records HWR-1002

45:48 Min.
17 Tracks

The Betrayal erzählt als Dokumentarfilm die Geschichte einer Familie aus Laos über einen Zeitraum von 23 Jahren hinweg. Sie reicht von den Auswirkungen des Vietnamkrieges bis hin zum neuen Leben der Familie in New York.

Howard Shore hat dafür eine sehr sanfte und intime Musik für kleine Besetzung komponiert. Dabei hat er es wieder einmal verstanden, etwas für ihn völlig neues zu erschaffen. Gespielt wird die Musik vom ERSO Kammerensemble (ERSO steht übersetzt für Estnisches Nationales Sinfonie Orchester) und dem Estnischen Philharmonischen Kammerchor. Und genau diese eher ungewöhnliche und selten anzutreffende Kombination aus Kammerorchester und kleinem Chor macht den besonderen Reiz dieser Musik aus. Sie ist durchgehend sehr melodisch, auch wenn es kein eingängiges Thema gibt. Sie ist melancholisch und getragen und bewirkt aufgrund ihrer Ruhe einen seltsam widersprüchlichen Eindruck von Intimität einerseits. Andererseits wirkt sie ebenso distanziert. Letztlich wirkt sie, als wolle sie aus diskreter Entfernung Anteil nehmen. Und mit dieser vornehmen Zurückhaltung erzeugt Shore eine umso eindrücklichere Wirkung, gemäß der Devise „weniger ist mehr“.

Dabei versteht es Shore meisterhaft und auf eine Weise, die man von einer Kammerbesetzung nicht unbedingt erwartet, dezente asiatische Klangfärbungen einzubauen, die aber keineswegs aufgesetzt wirken. Darüber hinaus kann er diesem überschaubaren Instrumentarium eine erstaunliche Ausdruckskraft und atmosphärische Dichte entlocken. Wesentlich hierzu tragen die Cello-Soli von Sophie Shao und die Chor- oder Solostimmenbegleitung bei. Um der Ausdrucksstärke noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, lässt Shore den Chor laotisch singen.

Einer der Höhepunkte des Scores ist das letzte Stück „Reunion“, bei dem nur der Chor zum Einsatz kommt. Und wie Shore diesen hier aufsingen lässt, hat etwas wunderbar sakrales und fast schon überirdisches an sich.

Mit The Betrayal hat Shore eine ganz bemerkenswerte Musik geschrieben, die mit einem großen Orchester keinen größeren Eindruck hätte hinterlassen können, denn man hat auch ohne Kenntnis des Films das Gefühl, dass er einfach den richtigen Ton getroffen hat. Und es bleibt sowohl der Musik als auch dem Komponisten zu wünschen, dass diese Musik bei vielen Menschen Gehör findet, was ja bei Dokumentarfilmen keineswegs selbstverständlich ist. Zudem ist dies nach DOUBT erst die zweite Veröffentlichung auf Shores eigenem Label, das er kürzlich aus der Taufe hob.

Klaus, 8.4.2009

 

 

 

 

 

 

 

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