Le bestiaire d’amour / Mona, l’étoile sans nom

Georges Delerue und Disques Cinemusiques, das ist oftmals eine unglückliche Kombination, denn ehe man es sich versieht, holt man sich statt des vermeintlichen Originals eine elektronische Neueinspielung ins Haus. So auch im Fall der vorliegenden CD, dabei würde ein prüfender Blick aufs Cover genügen, um sich einen ärgerlichen Fehlkauf zu ersparen. «Interprêtée par Robert Lafond» steht da nämlich geschrieben, und nicht nur der erfahrene Delerue-Sammler sollte sich darüber im Klaren sein, was das bedeutet.

Besonders schade ist dieser Umstand beim bislang unveröffentlichten LE BESTIAIRE D’AMOUR, einer Tierdoku von 1965. Ist die synthetische Umsetzung bei einigen «zeitgemässeren» Tracks mit romantischem und verspieltem Holz sowie Streichern noch so knapp akzeptabel, gibt es auch barocke Elemente, wo der gefakte Klang von Cembalo und Bachtrompete (so es denn diese Instrumente sein sollen) praktisch ungeniessber ist. Und die Wärme, die die Musik des Komponisten so sehr auszeichnet, kann auf elektronischem Weg sowieso kaum reproduziert werden. So bleibt für den Delerue-Kenner letztlich nur eine recht konkrete Vorstellung davon, wie der «richtige» Score klingen müsste, und die Veröffentlichung selbigen wäre, das lässt sich immerhin sagen, schon eine feine Sache.

Diese zumindest ist MONA, L’ETOILE SANS NOM (1966) seinerzeit widerfahren, wenngleich nur etwa 9 Minuten davon auf eine Barclay-EP gepresst wurden. Dasselbe, nur eben nicht in Grün gibt’s nun auch von Lafond, und hier kommt die Musik dank ihres Charakters ein wenig besser weg. Herrliche, für Delerue typische Themen, ursprünglich aufbereitet für Streicher, Holzbläser, Harfe und Klavier, lassen sich hier erahnen und wecken, wie bei LE BESTIAIRE, den Appetit auf das Original, von dem es selbst besagte 9 Minuten bisher noch nicht auf CD geschafft haben.

Resümierend lässt sich also sagen, dass diese Scheibe nur etwas für die ergebensten Sammler sein dürfte, die wirklich noch das hinterste und letzte von Delerue im Regal stehen haben wollen, und selbst die dürften darüber ziemlich konsterniert die Nase rümpfen.

Andi, 18.11.2017

 

LE BESTIAIRE D'AMOUR / MONA, L'ÉTOILE SANS NOM

Georges Delerue

Interpretiert von Robert Lafond

Disques Cinemusique DCM 360

40:14 Min. / 20 Tracks

Limitiert auf 500 Stk.

 

 

 

1 Kommentar

  1. Ich habe Andi quasi zu dieser CD genötigt, weil ich davon gleich 2 gekauft habe (unbeabsichtigt) und mir das „interprée par“ auch noch entgangen ist. Andi und ich sind uns einig: Eine Scheibe, die die Filmmusikwelt nicht braucht, dazu dreht sich Maestro Delerue noch im Grabe um…

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