Balde Runner 2049

Regisseur Denis Villeneuve scheint aktuell alles zu gelingen. Nach den fantastischen Filmen SICARIO (2015) und ARRIVAL (2016) hat er sich mit dem Remake des Kult-Films BLADE RUNNER von 1982 von Regisseur Ridley Scott einen wahrlich «heiligen Gral» vorgenommen, dessen «Verhunzung» ein veritabler Shitstorm hätte nach sich ziehen können. Doch sein BLADE RUNNER 2049 konnte die Kritiker und das Publikum begeistern. Aus filmmusikalischer Sicht gibt es jedoch keine guten Neuigkeiten. Nachdem Villeneuves «Hofkomponist» Jóhann Jóhannsson das Projekt verlassen hat, haben Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch übernommen – dies, weil Villeneuve angeblich einen Soundtrack näher bei Vangelis’ musikalischem Beitrag für das Original von 1982 haben wollte. Eine Zeit lang schien es noch so auszusehen, dass zumindest Teile von Jóhannssons Musik weiterhin im Film drinbleiben würden (oder dies zumindest gemäss herumgeisternden Gerüchten), doch scheint das Ergebnis nun gänzlich ohne Beiträge aus seinem Geiste ausgefallen zu sein. Man darf sich fragen, weshalb Vangelis selbst für die Musik zum Remake nie offiziell involviert gewesen zu sein schien, doch gibt es hierfür sicherlich Gründe. Zimmer und Wallfisch haben sich von Vangelis’ Beitrag von 1982 jedenfalls inspirieren lassen und Stilismen, wie von Villeneuve gewünscht, übernommen. Dazu gehört allem voran die Wiederverwendung des Synthesizers CS80 – klingt schrecklich datiert für die heutigen Ohren, doch sind die Klänge in der BLADE RUNNER-Welt sicherlich auch heute noch «heimisch». Zudem basiert das letzte Stück auf der CD, das 10-minütige «Blade Runner», auf Ideen von Vangelis.

So weit so gut – oder wohl stimmiger ausgedrückt, aus produktionstechnischer Sicht so nachvollziehbar. Doch was nun das Ergebnis wirklich schrecklich enttäuschend ausfallen lässt, ist einmal mehr ein völlig überspitztes Marketing-Brimborium. Mit der Ankündigung von Zimmer und Wallfisch wurde der Hype auch bzgl. der Filmmusik in die höchsten Gänge geschaltet. Eine CD-Ankündigung liess lange auf sich warten, erfolgte dann jedoch mit eigener Landingpage und in Form einer (mal wieder) Sonder-Special-Edition, limitiert auf 2049 Exemplare. Kaum waren diese Exemplare verkauft, folgte die 2. Auflage «mit neuem Cover», ebenfalls auf 2049 Stück limitiert – abstrus, ja regelrecht einer Verarschung gleichkommend. Und inzwischen ist das 2-CD-Album, dessen Beschreibung bis dato mit der «Limited Edition» identisch ist, regulär über Sony Music bestellbar. Was bringt jetzt die «Limited Edition» genau? Noch liegt sie nicht vor; kann also sein, dass da noch ein «Feuerwerk» gezündet wird, aber besser nicht darauf hoffen und den Frust bzgl. den extra bezahlten Dollars/Franken mit einem Drink «runter spülen». Die limitierte Edition hätte vor Wochen ausgeliefert werden sollen, ist jedoch weiterhin im Produktionsverzug. Doch, inzwischen ist mindestens die digitale Version des Albums erhältlich und das Ergebnis ist dermassen wenig reizvoll ausgefallen, dass die Lust am Erhalt der physischen Ausgabe und gar der «Limited Edition» gänzlich verpufft ist. Ärgerlich.

Zur Musik: Wie bereits erwähnt, «schwadronieren» Zimmer und Wallfisch hier in trüb-langweiligem Soundeffekte-Gewässer. Vom Unterhaltungswert her abseits der Bilder spielt das in derselben Liga wie DUNKIRK (2017), BATMAN VS SUPERMAN (2016) und MAN OF STEEL (2013) – wobei letzterer mit «What Are You Going to Do When You Are Not Saving the World?» wenigstens einen Lichtblick hatte. Dass der musikalische Ansatz eher auf Seiten Sounddesign zu liegen kam, kann man dem Komponisten-Duo grundsätzlich nicht übelnehmen, solange die Musik für den Film passend ist. Aber dass solche im Filmkontext rein funktionale Produkte, die nur noch teils oder im vorliegenden Falle kaum noch mit eigentlicher Musik zu tun haben, als Album stets viel «saftiger» und fantastischer Verkauft werden, als sie dann letztlich sind, lässt die Enttäuschung haushoch werden. Jedenfalls müssen die Beweggründe für eine CD-Veröffentlichung zu BLADE RUNNER 2049, und dann noch als 2-CD-Set, gänzlich finanzieller Natur gewesen sein – erfolgreich, wie der «Bestseller»-Status auf amazon.de belegt.

Noch zwei andere Kritikpunkte: Die Kompositionen von Zimmer und Wallfisch werden zwei Mal von Songs von Frank Sinatra und Elvis Presley unterbrochen. Da Songs und Score stilistisch null Gemeinsamkeiten haben, kann diese Programmierung des Albums nicht nachvollzogen werden. Der zweite Kritikpunkt ist eine merkwürdige Beobachtung: Gemäss den bisher veröffentlichten CD-Cover-Sujets (evtl. folgen mit weiteren Auflagen der «Limited Edition» ja noch mehr) werden die Komponisten auf dem Cover nicht genannt. Obwohl der Score den Löwenanteil des Produkts ausmacht. Was hier schief lief, ist ebenso unklar, wie vieles anderes in Bezug auf diesen Soundtrack.

Fazit: BLADE RUNNER 2049 von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch ist zum Vergessen. Selbst im Kontext des Films ist sie stellenweise nervend aufdringlich.

Basil

 

BLADE RUNNER 2049

Benjamin Wallfisch, Hans Zimmer

Sony Music

93:22 (Score: 75:21) / 24 Tracks

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*