Back to the Future (Intrada)

Alan Silvestri

Intrada Special Collection Volume 116

CD 1: 
49:24 / 24 Tracks

CD 2: 
39:30 / 16 Tracks

Limitiert

«It’s about time» lautet eine doppeldeutige Titelüberschrift im Booklet dieser Doppel-CD, mit der Intrada heuer zahlreichen Sammlern ein verfrühtes Weihnachten bescherte. Damit verschwindet – gewiss zur Erleichterung so manchen Internet-Users – ein weiterer, jahrelang mit Hartnäckigkeit und Vehemenz geforderter Holy Grail aus den Spekulationsthreads der Filmmusik-Foren.

Der Status dieses Scores hat indes zweifellos seine Berechtigung, ist er doch von grosser filmmusikhistorischer Relevanz. Zwar hiess der erste gemeinsame Film von Robert Zemeckis und Alan Silvestri Romancing The Stone, doch starteten sie erst im Jahr darauf mit Back To The Future gemeinsam so richtig durch, nachdem Zemeckis den anfangs skeptischen Produzenten Steven Spielberg von Silvestris Fähigkeiten überzeugen konnte. Damit zementierte sich eine erfolgreiche und fruchtbare Zusammenarbeit, die bis heute anhält.

Silvestris Beitrag zu Back To The Future wurde im Gegensatz zu den beiden Sequels (wenn man diesen Begriff angesichts deren Storylines überhaupt verwenden kann) sehr stiefmütterlich behandelt, fand doch nur ein Bruchteil davon Platz auf einem von Songs dominierten Tonträger. Dies zum Leidwesen der Filmmusikliebhaber, die sich übergangen fühlten und nun also erst jetzt, praktisch ein Vierteljahrhundert später, in den vollen Genuss eines Scores kommen, der mit Fug und Recht zu den ikonischen der Achzigerjahre gezählt werden darf.

Man merkt Back To The Future deutlich an, wie viel Spass und Freude Silvestri daran hatte, sich so richtig austoben zu können. Doch auch wenn sich der Score nebst ein wenig Mystery, Romantik und Jazz vor allem über Action und Abenteuer definiert, wirkt die Musik trotz eines 98-köpfigen Orchesters kaum überladen, sondern zeichnet sich durch Verspieltheit, Leichtigkeit und jugendliche Unbekümmertheit aus und nimmt sich genau wie der Film nicht allzu ernst.

Das heroische und zackige Hauptthema weist einen mindestens ebenso hohen Identitätsfaktor mit dem Film auf wie die kontemporären Songs von Huey Lewis oder jene für den nostalgischen Rückblick ins Amerika der Fünfzigerjahre, und Silvestri weiss in Sachen Vielseitigkeit einiges damit anzufangen. Obwohl nicht direkt so deklariert, dient es doch als Thema für Marty McFly, während die Motive zweier anderer Protagonisten – Doc Brown und Biff Tannen – Uhrticken nachahmen und das zum Teil enorme Tempo der Musik mitbestimmen. Cues wie ’85Twin Pines Mall oder Skateboard Chase sind dafür massgebend, und insbesondere natürlich Clocktower, wo alles thematische Material zusammenläuft und während fast 10 Minuten ein Actionfeuerwerk sondergleichen abgefeuert wird, was diesen Track zu einem der unvergesslichsten in Silvestris Gesamtwerk macht.

Es war eine weise Entscheidung, in einer Zeit, wo das Experimentieren mit Elektronik in voller Blüte stand, diesen Film, der sich zweifellos auch für Solches angeboten hätte, mit einem traditionellen Orchesterscore auszustatten. Denn während viele synthetische Filmmusiken aus jeder Epoche heute – wie es im Englischen so schön heisst – ziemlich «cheesy» klingen, bleibt Back To The Futurewunderbar zeitlos. Ein grösseres Kompliment kann man einer Musik zu einem Film, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt, kaum machen.

Dank Mike Matessinos ausführlichem Booklettext bekommt man einige interessante Einblicke in die Produktion von Back To The Future. So wurde beispielsweise nach fünf Wochen Drehzeit Hauptdarsteller Eric Stoltz ersetzt, weil Zemeckis es zustande brachte, dass sein urspünglicher Wunschkandidat Michael J. Fox parallel zu seiner Hit-Fernsehserie Family Ties auch jenen Charakter spielen konnte, der ihn schlagartig weltberühmt machen sollte.

Obwohl die Scoring Sessions bereits beendet waren, gab es auch bei der Musik noch Änderungen in letzter Minute. Weil Spielberg vom Hauptthema nicht genug kriegen konnte, sah sich Silvestri genötigt, mehr Gebrauch davon zu machen. Dies gab ihm aber auch die Möglichkeit, seine Musik im Nachhinein noch zu perfektionieren und dem Endschnitt anzupassen. Wo und wie der Komponist dies tat, kann man anhand der auf CD 2 vorliegenden, unbearbeiteten Version herausfinden. Diese ist vom Charakter her generell etwas dunkler und behäbiger, und es ist schon erstaunlich, welche Auswirkungen kleine chirurgische Eingriffe in die Orchestration oder da und dort ein wenig Straffung haben können.

Sonderbarerweise basiert die Neuaufnahme, die John Debney 1999 mit dem Royal Scottish National Orchestra für Varèse einspielte, auf dieser ersten Fassung (wenn auch wohl nicht alles, denn zumindest bei Clocktower Pt. 2 handelt es sich meiner Ansicht nach um die Filmversion). Ob das Zufall oder Absicht war, darüber schweigt sich Matessino aus, aber es grenzt fast schon an ein Wunder, dass dies niemand je bemerkt zu haben scheint.

Die ersten 3000 Exemplare dieser tollen Intrada-Edition wurden – wen wundert’s – innert Tagesfrist abgesetzt. Eine zweite Pressung kam kurz vor den Feiertagen auf den Markt, aber da keinerlei Angaben über deren Stückzahl oder eine mögliche weitere Auflage vorliegen, lässt sich schwer einschätzen, wann dieser Score letztlich vergriffen sein wird. Bisher Unentschlossene sind aber auf jeden Fall gut beraten, ihre Bestellung zeitig zu tätigen.

Andi, 30.12.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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