Baby’s Day Out

Bruce Broughton

Intrada ISC 377

79:47 Min.
32 Tracks

John Hughes ritt nicht erst seit Home Alone auf einer Erfolgswelle, doch seit diesem Chris Columbus Film startete sagen wir mal, der Kleinkinderfilmboom, den Hughes weiterführen wollte. Allerdings erwiesen sich weder Curly Sue, Dennis the Menace, Miracle on 34th Street noch Baby’s Day Out als grosse Kassenschlager, während Home Alone 2 schon fast ein Selbstläufer war, der allerdings auch nicht an sein original heranreichte. Eines hatten die Produktionen aus jener Phase des Ferris Bueller’s Day Off Regisseurs (dessen Plains, Trains and Automobiles mein persönlicher Favorit bleibt) immer gemein: Die Musiken stammten von gestandenen Komponisten und boten tolles Hörmaterial: John Williams für Home Alone und das Sequel, Georges Delerue mit Curly Sue, Bruce Broughton bei Baby’s Day Out und Miracle on 34th Street sowie Jerry Goldsmith für Dennis the Menace. Ein wahres Filmmusik-who’s-who.

Baby’s Day Out war lange Zeit eine der gesuchtesten Filmmusiken auf dem Markt. Es existierten schliesslich davon nicht nur eine Promo, sondern Bootlegs, die aber inhaltlich der Promotional Release entstammten und kein Mehr an Musik boten (38 Min.). Auf der vorliegenden Intrada CD schliesslich finden sich die gesamten 80 Minuten Score, eine Menge Musik für einen 100 Minuten Film, die in den Händen anderer Komponisten vielleicht repetitiv, vorhersehbar und fad hätten ausfallen können. Nicht so bei Bruce Broughton, der dem Film seinen Stempel aufdrückte und eine delikat einladende Komposition ablieferte. Nicht nur wird im Film relativ wenig gesprochen, der Film bietet einiges an Slapstickhumor und viel Raum für die Musik. Das weiss Broughton gekonnt zu nutzen.

Baby’s Day Out ist eine Mischung aus tour-de-force à la Honey I Blew Up the Kid („Bink Finds a Bus“) und Romantik à la Miracle on 34th Street – oder kurz und mit Anglizismen um mich schmeissen: the best of both worlds von Bruce Broughton, der übrigens drauf und dran war Home Alone zu vertonen, dann aber wegen Terminkonflikten die Musik zu The Rescuers Down Underkomponierte. Man stelle sich vor, wie Broughtons Karriere damals hätte verlaufen können. Hätte, wäre, wenn.

Baby’s Day Out ist mehr als einfach Filmscore. Im Film ist er einer der wichtigsten Bestandteile, sie ist wesentlicher Teil und erzählt eher, als dass sie nur begleitet. Oft komisch, manchmal die teilweise urkomische Action betonend, nie die Emotionen vergessend. Die Mischung macht’s und die temperiert Broughton genau richtig. Eine riesige mit rund 85 Musikern bestückte Streichersektion und eine nicht vergleichsweise riesige für die Holzbläser (6 Flöten, 5 Oboen, 5 Klarinette und 4 Fagotte) nehmen den Grossteil des Orchesters ein, die verbleibenden Sitze teilen sich Blech, Harfe, Keys und Perkussion. Broughton hat sichtlich Spass an dem was er hier tut, springt von Stil zu Stil und schafft es stets das verbindende Element zu wahren, nicht auszuufern und Baby Bink bei seinen Abenteuern musikalisch beizustehen.

Die Hauptthemen sind in „Main Title“ vertreten: Zunächst das Baby Bink Thema gespielt von der Oboe und den Streichern, dann das zweite Thema (ausführlicher in „The Boo Boo Book“ zu hören), das die liebende Beziehung der Eltern zu Baby Bink und seine Nanny porträtiert. Schliesslich ist das unvermeidliche Ganoven-Thema zu vernehmen (auch in „The Three Furies“ und vom Fagott intoniert in „The Boys Arrive“). Ab jetzt ist Modulationszeit. Immer wieder holt Broughton diese Themen hervor, spielt Teile davon an, verbindet sie mit verspielten Kurzmotiven, fügt Tempo bei oder schmeisst einen Brocken Gefühle hinzu („In the Nursery“). Er spielt mit dem grossen Instrumentarium, das ihm zur Verfügung steht, gekonnt und mit ganz viel, es ist herauszuhören, Genuss an der Sache. Und so macht es Broughton keinerlei Probleme all die Ingredienzen in einzelnen Stücken zu verarbeiten und immer wieder für Höhepunkte zu sorgen.

Broughton lässt es sich auch nicht nehmen, zusätzliche Einflüsse anklingen zu lassen. So ist schon mal „Die schöne blaue Donau“ zu erahnen, während er in „Up in Arms“ sogar eine gute Portion Russland anspielt.

Baby’s Day Out ist ein glänzend unterhaltendes und trotz seiner Länge kurzweiliges Werk, famos eingespielt und geleitet vom Komponisten selber, aufgenommen von seinem langjährigen Begleiter am Mischpult, Armin Steiner. Intradas Veröffentlichung klingt hervorragend, frisch und klar. Ein Hörspass der Sonderklasse, nicht nur für Broughton Fans.

Phil, 9.4.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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