Aladdin (2019)

Disneys Remake-Bemühungen laufen dieses Jahr mit den Live-Action-Adaptionen der weltberühmten Zeichentrickklassiker auf Hochtouren. Nach dem super-erfolgreichen Startschuss mit THE JUNGLE BOOK (2016) und der ebenso gelungenen, opulenten Neuauflage von BEAUTY AND THE BEAST (2017) waren für 2019 sagenhafte drei weitere solche Spielfilm-/CGI-Neuauflagen angekündigt: nach DUMBO und ALADDIN folgte im Juli THE LION KING. 2020 soll MULAN folgen. Von den diesjährigen Live-Action-Adaptionen vermochte indes nur THE LION KING im selben Ausmass zu überzeugen wie THE JUNGLE BOOK und BEAUTY AND THE BEAST. DUMBO verfranzte sich mit zu viel schrägen Tim Burton-Stilismen und blassen Figuren und ALADDIN ist mir zu «knallig» und aufgemotzt. Dies zeichnete sich bereits im ersten Trailer ab, der einen auf episches Action-Kino mit coolen Slow-Mo-Effekten machte.

Ähnlich sieht es in Bezug auf die Filmmusik zu diesen Remakes aus. Gelungen sind BEAUTY AND THE BEAST mit tollen neuen Songs und kraftvoller neuer Score-Orchestrierung sowie auch THE LION KING, der in der 2019er-Version meistens noch fantastischer klingt, als in der Oscar-gekrönten 1994er-Version. Auch Debney’s JUNGLE BOOK-Version fiel mit frischer Energie und Emotionen packend aus, ohne dass er die musikalischen Wurzeln zum Original von 1967 kappte. Elfmans DUMBO überzeugte in Bezug auf die emotionalen, ruhigeren Momente, doch strapazierten die Zirkusmusik und die Comedy-Stücke. Die musikalische Neuauflage von ALADDIN greift viele Elemente der 1994er-Version auf, entzaubert deren Charme jedoch mit zu viel Pop- und Bollywood-Anleihen.

Das Original von 1992 gehört als Film und als Filmmusik zu meinen Favoriten. Der aufgefrischte Score ist kurzweilig, doch geht keines der 25 Stücke wirklich unter die Haut und die Songs sind zu sehr auf Popmusik und teils Bollywood-Charakter getrimmt – die bekannten Melodien sind alle da und doch klingt das irgendwie nicht nach ALADDIN. Will Smiths’ Genie kann jenem von Robin Williams nicht annähernd das Wasser reichen; seine «Friend Like Me»-Hiphop-End-Credits-Version ist grausig; der neue Song «Speechless» hat zwar Ohrwurmcharakter, klingt jedoch mehr nach FROZEN-Musikuniversum (2013) als ALADDIN; in «Prince Ali» ist das Comedy-Timing nicht so gelungen wie in der 1992er-Version; der Score ist in viele kurze Stücke mit schönen Momenten zerteilt, aber bleibt durchgehend sprunghaft… so ziehen sich hier kleinere und grössere Unstimmigkeiten bis Enttäuschungen durch das gesamte Albumprogramm und letztlich haftet hier einfach ein schaler Nachgeschmack an. Durchwegs spannend ist indes Alan Menkens Booklet-Text geworden, der die vielen Adaptionen der ALADDIN-Geschichte vom Zeichentrickfilm (der ursprünglich substanziell anders ausgesehen haben soll) über das Musical bis hin zur aktuellen Live-Action-Adaption etwas skizziert.

18.8.2019 Basil

ALADDIN

Alan Menken

Walt Disney Records

76:27 Min.
37 Tracks