Adventures of Don Juan/Arsenic and Old Lace

Max Steiner

Tribute Film Classics TFC-1009

CD 1: 
59:57
25 Tracks

CD 2: 
52:17
12 Tracks

Ich weiss nicht, ob Sie folgendes, kleines Gespräch zwischen Max Steiner und Erich Wolfgang Korngold kennen. Da fragte also Steiner den Korngold: «Erich, wir arbeiten nun beide schon seit 10 Jahren für Warner, und ich habe den Eindruck, deine Musik sei in dieser Zeit stetig schlechter geworden, während meine immer besser wurde.» Wie aus der Pistole geschossen entgegnete Korngold: «Steiner, das liegt ganz einfach daran, dass du von mir gestohlen hast, und ich von dir.»

Warum erzähle ich Ihnen das? Nun, mit Adventures Of Don Juan(1948) betrat Steiner ureigenstes Korngold-Territorium, und in der Tat war Korngold ursprünglich für die Vertonung dieses Filmes vorgesehen gewesen. Da sich jedoch die Produktion infolge etlicher personeller Wechsel sowie Krankheit und Alkoholproblemen von Hauptdarsteller Errol Flynn bis zum Zeitpunkt hinauszögerte, an dem Korngold seine Hollywood-Karriere bereits beendet hatte, durfte Max Steiner ran. Und so haben wir hier einen Score, der sich bestens dazu eignet, sich vom Wahrheitsgehalt eingangs erwähnter, wohl nicht ganz ernst gemeinten Konversation selbst ein Bild zu machen.

Die Gelegenheit dazu bot sich ja schon seit längerem. Sei es die Suite von Charles Gerhardt oder die Veröffentlichung des Originals auf einer BYU-CD, die übrigens ‒ obwohl seit mittlerweile 12 Jahren auf dem Markt ‒ immer noch erhältlich ist. Erstmals den kompletten Score bietet jedoch nun Tribute in einer hervorragenden Neuaufnahme, die noch das kleinste Detail dieser meisterhaften Partitur einfängt. Man lasse sich nur von der Opulenz des spektakulären London Processionalberauschen, um sich von der Qualität dieser Einspielung zu überzeugen.

Eine herrliche Swashbuckler-Musik hat Steiner geschaffen, mit königlichen Fanfaren, einem feschen Thema für Don Juan, das in charmanten, beherzten und schwungvollen Variationen den Score durchzieht, und eine iberische Serenade für die zahlreichen Liebesaffären des legendären Herzensbrechers, die besonders hübsch in Bearbeitungen für Holzbläser und Gitarre zur Geltung kommt. Hinzu kommen ein streicherseliges Thema für Queen Margaret sowie adäquate Motive für die obligaten Schurken.

Ist Steiner damit nun der bessere Korngold? Keineswegs, aber als ebenbürtig beweist er sich allemal. Und keine Angst, es handelt sich bei Adventures Of Don Juan nicht um einen Korngold-Klon, ist doch Steiner viel zu profiliert, als dass er seine eigene Handschrift verleugnen würde. Der Score hat übrigens ein interessantes Nachleben, kommt er doch, von Ian Fraser bearbeitet, in der Zorro-Persiflage Zorro: The Gay Blade (1981) erneut zum Einsatz und hat auch einen Gastauftritt in The Goonies (1985).

Bei Arsenic And Old Lace (1944) handelt es sich um einen für Frank Capra eher ungewöhnlichen Film. Die schwarze Komödie basiert auf einem erfolgreichen Broadway-Stück und handelt von zwei alten Tanten, die ihre gezielt ausgesuchten Untermieter aus vermeintlicher Barmherzigkeit mit vergiftetem Wein ins Jenseits befördern. Ihr Neffe Mortimer Brewster (ein völlig überdrehter Cary Grant) kommt ihnen ausgerechnet in seiner Hochzeitsnacht auf die Schliche, und wäre das noch nicht schlimm genug, erscheint auch noch sein lange abgetauchter, fieser Bruder Jonathan (Raymond Massey) auf der Bildfläche, der von seinem inkompetenten Chirurgen Dr. Einstein (Peter Lorre) zu einem Monster Frankenstein verunstaltet wurde, das noch gefürchiger ausschaut als das Original (eine Anspielung auf Boris Karloff, der den Jonathan am Broadway gespielt hatte).

Max Steiner bindet viele bekannte Weisen in seine Musik ein und passt sie den Gegebenheiten an: das nostalgische Kinderlied «There is a Happy Land, Far, Far Away» ‒ welches Gesinnung und Schicksal der Brewster-Familie charakterisiert ‒ «Sidewalks of New York», «Take me Out to the Ball Game» und den Hochzeitsmarsch aus Wagners Lohengrin. Zusammen mit Steiners eigenem thematischen Material bestimmen sie die ersten beschwingten und amüsanten Tracks des Scores.

Ab Mortimer’s Ghastly Discovery/The Prodigal Son Returns, also in etwa beim Erscheinen von Jonathan und Dr. Einstein, wird’s dann grusliger und atonaler, lugt die Musik aus den finstersten Winkeln des Brewster-Hauses, hat gar Chopins Trauermarsch einen Cameo-Auftritt. Aber Steiner versteht es, durch ironische Einschübe von «There is a Happy Land, Far, Far Away» und «Home Sweet Home» dieser beklemmenden Atmosphäre stets wieder die Spitzen zu brechen.

Der komplette Arsenic And Old Lace ist mit einer Laufzeit von rund 24 Minuten zwar ‒ vor allem für die damalige Zeit ‒ recht kurz, dafür wird in diesem kontrastreichen Score kein Moment verschwendet. Obwohl kein Steiner’sches Schwergewicht, ist seine Veröffentlichung deshalb durchaus willkommen.

Tribute legt wiederum ein den hohen Erwartungen entsprechendes Produkt vor, trotzdem drang kürzlich in die Öffentlichkeit, dass die Zahlen des Labels ziemlich in den Miesen liegen und deshalb bislang keine neuen Projekte angekündigt sind. Es wäre äusserst bedauerlich, wenn es sich bei dieser Doppel-CD um den Schwanengesang des rührigen Tribute-Teams handeln würde. Aber bei weitem nicht nur aus diesem Grund ist diese Edition wärmstens zu empfehlen.

Andi, 20.9.2012
Don Juan:

Arsenic:

 

 

 

 

 

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