A Far Off Place

James Horner

Intrada Special Collection Volume 303

75:44
28 Tracks

A Far Off Place (1993) – ein Abenteuerfilm aus dem Hause Disney, eingebettet in die atemberaubende und dramatische Landschaft Afrikas. Klingt soweit vielversprechend. Dazu eine Filmmusik aus der Feder von James Horner, der sich bis 1993 mit fantastischen Kompositionen zu Kinder- und Abenteuerfilmen wie Journey of Natty Gann (1985), The Land Before Time (1988) und The Rocketeer (1991) einen klangvollen Namen gemacht hat. Das klingt nach Filmmusikgenuss erster Güte! Doch A Far Off Place ist ‚anders‘. Hier treffen nicht die Wärme und Abenteuerlust aus Natty Gann auf afrikanischen Ethno-Pop à la The Lion King (1994) – beides zwei hervorragende Filmmusiken mit tollen Themen und gefälligen Harmonien. Diese Komposition Horners ist kratzbürstiger, aggressiver, fordernder. Entsprechend dürfte jeder von A Far Off Placeenttäuscht sein bzw. gewesen sein, der einen leicht zugänglichen, lieblichen und mit kindlichem Esprit versetzten Score erwartet hatte. Die Filmmusik wurde denn auch durchzogen kritisiert und verschwand im Schatten zahlreicher anderer Filmmusiken von James Horner. Das Album von 1993, das schon damals von Intrada veröffentlicht wurde, blieb eine Rarität für Sammler und wurde auf dem Second-Hand-Markt zu stolzen Preisen gehandelt (weit über 100 US-Dollar). Ende 2014 hat Intrada dieses in Vergessenheit geratene Werk von Horner in aufpolierter Klangqualität und mit gut 30 Minuten zusätzlicher Musik neu aufgelegt. Damit ist der Soundtrack zu A Far Off Place wieder zu einem vernünftigen Preis erhältlich und allen Interessierten zugänglich – was toll ist – und das Ergebnis ist es Wert, angehört zu werden, doch ist die Filmmusik in der verlängerten Fassung ein noch herausforderndes Hörerlebnis.

Bereits die Main Titles machen klar, dass A Far Off Place kein Disney-Schmus ist. Nach einem kurzen, „luftigen“ Ethno-Flöten-Präludium, krachen harte Klavier-Intervalle, scharfes Blech und perkussives Geratter, womit der Hörer innert gut einer Minute bereits zwei gänzlich gegensätzliche Musikideen präsentiert bekommt, wobei wohl keine dieser Intro-Motive der Musik entsprochen hat, die er erwartet hat. Doch dann entwickelt Horner die Main Titles weiter und hin zum fantastischen Hauptthema dieses Scores (ab 2:44). Dieses sehnsüchtige, ‚fliegende‘ Thema kriegt man nicht mehr aus dem Ohr. So sind denn auch jene Momente von A Far Off Place, in denen Horner dieses Thema erklingen lässt, am leichtesten zugänglich und wissen zu gefallen. Hierzu zählen Epilogue/End Credits, The Elephants und Gemsbock Gift sowie eine dramatische Variation am Ende von Nonnie Escapes und ein schönes Statement in Xhabbo the Poet. Doch ist es leider so, dass Horner dieses Hauptthema mit gewaltigem Potential zu wenig einsetzt. Eine stärkere Präsenz dieses Themas hätte der Filmmusik in Bezug auf deren Wohlfühlcharakter gut getan, doch liess der Film dies scheinbar nicht zu. Abgesehen von diesem lyrischen Hauptthema bietet A Far Off Placeeine grosse Menge an krachenden, fordernden Action-, Thrill- und Suspense-Stücken, was angesichts der hier erzählten Geschichte logisch, wenn auch für einen Disney-Film überraschend erscheint: Zwei Kids müssen zusammen mit einem Einheimischen quer durch die Kalahari-Wüste vor brutalen Schlächtern fliehen, die nicht nur die drei Fliehenden ermorden wollen, sondern während der Verfolgungsjagd auch allerhand anderes Gemetzel anrichten. Diese Action-Handlung reflektiert Horner in brutalen Kompositionen wie The Slaughter, Revenge, Attacked from the Air, The Swamp und Ricketts‘ Death in the Mine. Dazu kommen weitere Unwohlfühlmomente à la Scorpion und Sandstorm!, die zwar verspielter, jedoch ebenso herausfordernd anzuhören sind, und im Falle des erweiterten 2014-Albums von Intrada leider auch einige „Durchhänger“-Momente, in denen die Musik wenig fokussiert vor sich hinzuplätschern scheint.

Ist A Far Off Place nun gut, oder nicht? Doch, A Far Off Place hat viele Stärken. Das Hauptthema ist fantastisch und wer Gefallen an knackigen, widerspenstigen Action-Momenten findet, der kommt hier zusätzlich auf seine Kosten. Zudem präsentiert James Horner hier durch das ganze Album hindurch immer wieder viele schöne Soli-Statements und interessante Ideen, die mit mehrmaligem Hören entdeckt werden können (Plane Aftermath und Digging for Water sind berührende Kompositionen; für Night Departure und den Anfang von Xhabbo the Poet scheint der Danse arabe aus Peter I. Tschaikowskys weltberühmter Nussknacker-Suite Nr. 1, op. 71a, Pate gestanden zu haben). Damit kann A Far Off Place empfohlen werden (auch jenen, welche das 1993er-Intrada-Album bereits haben), doch benötigt diese Musik ein genaues Hinhören, um viele versteckte, schöne Momente entdecken zu können.

Basil, 14.4.2015

 

 

 

 

 

 

 

 

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