1941

John Williams

La-La-Land Records LLLCD 1179

CD1: 77:08/29 Tracks
CD2: 78:06/23 Tracks

Schon in der Eröffnungssequenz werden zwei Dinge klar. Zum einen wird durch den selbstironischen Einstieg mit der JAWS-Anleihe sowohl filmisch wie musikalisch die Marschroute festgelegt, nämlich dass hier nichts heilig ist und niemand wirklich ernst nehmen kann, was in diesem Film passiert. Zum anderen stellt Williams seinen hohen künstlerischen Anspruch an die Musik sehr subtil heraus, indem es ihm gelingt, allein durch drei Töne mit entsprechendem Arrangement die japanische Herkunft des auftauchenden U-Bootes herauszustellen.

Schon kurz darauf wird der berühmte Marsch von 1941 vorgestellt, der gleichermaßen als Wild Bill Kelso’s Thema betrachtet werden kann. Hier hat Williams seine Vorliebe für Marschmusik bis zum Exzess ausleben können, indem er einen absurd-fröhlich-ausgelassenen Marsch geschrieben hat, der genau deshalb so mitreißend spaßig ist.

Im weiteren Verlauf des Films bekommt Williams jede Gelegenheit, sich weiter auszutoben und aufgrund der schonungslosen Verballhornungsstrategie des Films jedes Musikklischee gekonnt aufs Korn zu nehmen. Das Spektrum reicht von militaristisch über spannend und actiongeladen bis hin zu wildromantisch. Interessanterweise weiß Williams gerade den Slapstick zu umschiffen und verhindert so ein Abgleiten der Musik ins alberne, was nur allzu leicht hätte passieren können bei diesem Stoff.

Beim Tanzturnier beweist Williams außerdem, dass er praktisch jede Musikrichtung beherrscht: er präsentiert uns mit Swing, Swing, Swingeinen (oh Wunder) Swing vom feinsten, wie ihn Glenn Miller persönlich nicht besser hätte schreiben können. Mit seiner mitreißenden Dynamik ist es praktisch unmöglich, hierbei die Füße still zu halten.

Mit 1941 gelingt Williams ein außerordentlicher Spagat: einerseits begleitet er die kindsköpfig-alberne Zerstörungsorgie mit mitreißender und optimal passender Musik, andererseits tut er dies auf einem künstlerisch und handwerklich hochstehenden Niveau, womit er es schafft, dem Film einen Hauch von Seriosität und Vernunft zu verleihen und hebt ihn qualitativ dadurch beachtlich an!

Schon das ursprüngliche 1979er Album machte dies deutlich. Noch deutlicher aber wird es mit der hier vorliegenden Expanded Version von La-La-Land, die exakt doppelt so viel Musik bietet, wie das erste Album. Denn trotz der doppelten Länge wird es nicht eine Minute langweilig. Stattdessen wird klar, dass es sich auch bei der kompletten Musik um eine ständig anhaltende Achterbahnfahrt handelt, die nie an Dynamik verliert und vor Ideen nur so sprüht. So also hält man hier ein Album in der Hand, bei der sich die Expansion voll auf gelohnt hat, denn Williams beschert uns eine Arbeit die gleichermaßen künstlerisch wertvoll wie kurzweilig mit sehr hohem Spaßfaktor ist. Ob es dabei jetzt sinnvoll ist, eine zweite CD mit dem 1979er Album und ein paar Source- und Alternativ-Tracks beizulegen und damit den Preis hochzutreiben, muss jeder für sich selber entscheiden. Das einzig neue auf der zweiten Scheibe ist die Originalmusik für den Trailer des Films, bei dem noch ein komplett anderer Ansatz für den Marsch zu hören ist. Aber die 2 ½ Minuten hätte man sicher auch noch auf der ersten CD untergebracht.

Klaus, 28.11.2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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